Ohne seinen Michel kann mein Kind nicht schlafen

Als ich vor ein paar Tagen auf einer Geburtstagsfeier von meinem Forschungsprojekt erzählte, waren sie gleich da: die Geschichten von dem Lieblingskuscheltier, ohne das man nicht leben, nicht schlafen und nicht zum Arzt gehen konnte …

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…                                                    Michel, der Erste

Hans Fallada hat in seinem Buch “Damals bei uns Daheim” so eine Geschichte aufgeschrieben. Es ist die Geschichte von dem alten, abgewetzten, kaputt geliebten Kuscheltier seines Sohnes, das auf einer Ferienreise in Berlin liegengeblieben ist und von dem Vater, dem schließlich  nach langem Suchen und vielen verzweifelten Tränen nichts anderes übrig bleibt, als erneut nach Berlin zu fahren, um das Kuscheltier zurückzuholen ….

Wenn man Eltern fragt, so erzählen sie oft von selchen heißen Lieben ihrer Jüngsten, die ohne ihren Wauwi kein Auge zutun können, die selbst den Trost der Mutter ablehnen und nur nach ihrem Liebling verlangen, wenn der  plötzlich nicht greifbar ist. Eltern machen sich Sorgen, dass ihrem Kind Bindung und Zärtlichkeit fehlen könnte, wenn es solch einen “Ersatz” braucht. Eltern machen sich auch Sorgen, wenn ihr Kind keins seiner Kuscheltiere zum Liebling erklärt, sondern alle gleich behandelt. Fehlt dem Kind Sensibilität oder Beziehungsfähigkeit?

Um es gleich zu sagen:
Die Frage, warum Kinder so an ihren Kuscheltieren hängen können und warum andere Kinder das nicht tun, ist noch nicht geklärt.
Unsere Untersuchung lässt allerdings vermuten, dass die Liebe zum Kuscheltier nicht etwa dann öfter auftritt, wenn ein Kind nur einen Elternteil oder keine Geschwister hat. Und es spielt auch die Frage keine Rolle, ob ein Kind ein Haustier hat oder sich vielleicht eines wünscht.

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Wir haben aber zunächst  Folgendes festgestellt:

80% der befragten Kinder (im Alter von 5 und 6 Jahren) hatten aus der Reihe ihrer Kuscheltierschar eins als Liebling ausgewählt, das vor allen anderen für sie eine Rolle spielte. Nur 20% hatten kein Lieblingskuscheltier.
Es gibt aus unserer Untersuchung außerdem Hinweise darauf, dass etwa ein Drittel der Kinder zu ihrem Lieblingskuscheltier ein inniges,  geradezu intimes Verhältnis haben und dieses Kuscheltier für sie nicht ersetzbar und nicht austauschbar ist. Das sind dann die Kinder, von denen Eltern jene Geschichten erzählen, die jeder schon oft gehört haben wird: “Ohne meinen Teddy – oder meine Giraffe oder Häschen Wumsi – kann ich nicht leben!”

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