Archive für April 2009

Fragebogenergebnisse VI


Hypothesen darüber, warum Erwachsene Kuscheltiere lieben:  

 

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Grafik 7: (Prozentwerte der jeweiligen Gruppenmitglieder)
Warum mögen Erwachsene Kuscheltiere?

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Erwachsene sehen die Bedeutung der Kuscheltiere für Erwachsene in erster Linie auf dem Hintergrund der Kindheitserinnerung. Erwachsene, die weiterhin Interesse an Kuscheltieren haben, werden öfter als kindliche Gemüter bezeichnet. Als Gegenstände von Sammlerleidenschaft werden Kuscheltiere von 30% der Befragten gesehen.

Nur von 20 % der befragten Erwachsenen wird angenommen, dass Kuscheltiere auch Erwachsenen noch Wärme geben können.

Etwa gleich groß ist die Gruppe, die die Liebe Erwachsener zu Kuscheltieren als Ersatz für Partner, Freunde und Gesprächspartner wertet, also sozusagen als Symptom für ein unerfülltes Beziehungsleben.

 

Was bedeuten die Kuscheltiere für die befragten Erwachsenen in ihrem eigenen Leben heute?

  • Nette Kindheitserinnerung: 55%
  • Ich habe noch die alten Kuscheltiere: 20%
  • Ich kaufe mir noch Kuscheltiere 28 %
  • Sie sind noch immer meine besten Freunde: 61%
  • Sie geben mir noch Wärme: 38%
  • Kuscheltier rühren mich an: 28%
  • Ich mag sie einfach: 66%
  • Habe emotionale Beziehung zu Kuscheltieren (mindestens eine der letzten 4 Kategorien genannt)

Grafik 8: (Prozentwerte der jeweiligen Gruppenmitglieder)
Was bedeuten Ihnen heute Kuscheltiere?

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Für gut die Hälfte bedeuten Kuscheltiere Erinnerung an die eigene Kindheit.  Jeder 5. der Befragten besaß noch alte Kuscheltiere von früher.

78% nannten aber auch mindestens eine der Kategorien (rot), die eine emotionale Beziehung zum Kuscheltier anzeigen.

Auf die eigene Person bezogen, outen sich die BeantworterInnen des Fragebogens damit überwiegend (78%) als Menschen, die eine emotionale Beziehung zu Kuscheltieren haben. Diese Nennungen erfolgen sogar öfter als der Hinweis auf „nette Kindheitserinnerungen“.

Nur 20% hatten – allgemein auf die Bevölkerung bezogen – auf eine solche emotionale Beziehung bei Erwachsenen angenommen. Diese Diskrepanz lässt darauf schließen, dass die reale Stichproben-Gruppe sich als in der Frage Kuscheltier als untypisch versteht


Die emotionale Beziehung zum Kuscheltier spielt bei den Erwachsenen der konkreten Stichprobe eine nicht unbedeutende Rolle. Zwar wird diese Beziehung distanzierter gesehen als beim Kind, dem Kuscheltier wird keine aktive Rolle zugewiesen, die Beziehung zeigt nur Ansätze von Interaktion. Aber sie spielt von Seiten des Erwachsenen noch immer eine emotionale und wichtige Rolle.

 

Fragebogenergebnisse V


Wie sehen Erwachsene rückblickend die Bedeutung von Kuscheltieren für Kinder?  


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Immerhin haben diesen Fragebogen die allermeisten Personen beantwortet, fast doppelt so viele z.B. wie den Fragebogen, bei dem nach den eigenen Kindheitserinnerungen gefragt war. Das spricht dafür, dass Erwachsene im Thema Kuscheltier keineswegs nur etwas sehen, was Kinder betrifft. Und das Interesse ist erstaunlich groß.

 

Hypothesen darüber, warum Kinder Kuscheltiere mögen:        


  • Ersatz für menschliche Nähe: 33%
  • Erste selbst gewählte Beziehung: 54%
  • Schutz und Trost: 88%
  • Andere Funktionen: 6%

  Grafik 6: 

(Prozentwerte der jeweiligen Gruppenmitglieder)
Warum mögen Kinder Kuscheltiere?

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Aus Sicht der befragten Erwachsenen, steht die Beziehungsfunktion des Kuscheltieres für Kinder deutlich im Vordergrund, vor allem die funktionale Beziehung im Sinne von Trost und Schutz. Etwa die Hälfte der Befragten geht aber auch von einer vom Kind erlebten gegenseitigen emotionale Beziehung aus.

Dieses Ergebnis entspricht in Etwa dem Ergebnis, das die Befragung der drei Zielgruppen mit Blick auf ihre eigene Kindheit oder auf die die Beziehung ihrer Kinder auf die Kuscheltiere erbracht haben.

 

Die Hypothese, dass Kuscheltiere ein Ersatz seien für fehlende menschlich Nähe wird von einem Drittel der Befragten aufgegriffen.

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Nili der Wächter

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Eigentlich wäre ja heute ein Hase dran. Aber merkwürdiger Weise gab es im Kuscheltierleben meiner Kinder kaum Hasen. Deshalb erzähle ich heute eine andere Geschichte, die von Nili, dem Wächter.

Als meine älteste Tochter den Übergang von der kleinen, familiären Krippengruppe in die Kindergartengruppe mit 25 Kindern nicht so recht verkraften konnte, fing sie an einzunässen, nachts und anfangs sogar tagsüber.

Die Probleme wurden bewältigt, das Kindergartenleben  bekam langsam ein anderes Gesicht. Sie konnte sich allmählich dort locker bewegen und schloss Freundschaften. Aber das nächtliche Einnässen blieb. Eine ziemliche Strapaze für alle Beteiligten und eine tägliche Demütigung für das Kind selber. Medizinisch war alles abgeklärt. Aktuelle Probleme waren nicht mehr sichtbar. Aber das nächtliche Einnässen blieb und alle die üblichen Bemühungen und Hausmittel nutzen nichts.

Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit kam ich an einem Jahrmarkt vorbei. Eigentlich wollte ich schnell nach Hause, da fiel mein Blick auf ein kleines grünes Nilpferd, das mit vielen anderen Kuscheltierkumpeln an der hohen Hinterwand einer Losbude aufgereiht war. Man konnte es gewinnen, nicht mit einem einzigen Los (bei sowas rechnete ich mir keinerlei echte Chancen aus), sondern mit einigen kleineren Gewinnlosen, die man ansammeln konnte. Das Nilpferd und mich trennten etwa 20 Losversuche, das Los zu 50 Pfennig damals. Irgendwann fehlte mir nur noch ein einziges Gewinnzettelchen, um das ich erbittert kämpfte. Und dann war es soweit. Mein grasgrünes Nilpferd wurde mir überreicht.

Zu Hause erzählte ich beim Abendbrot, dass mich unterwegs ein kleines grünes Nilpferd angesprochen hätte, dass davon gehört hätte, dass hier bei uns ein Nachtwächter gebraucht würde. Alle staunten. Und dann eröffnete ich , dass Nili ab sofort die Aufgabe übernehmen wollte, bei Jenny im Bett Wache zu halten, damit sie in Ruhe schlafen könne und keine Angst haben müsse, dass sie wieder ins Bett macht. Nili bekam den strikten Auftrag, Jenny zu wecken, wenn er merken würde, dass es gleich losgehen könnte. Er sollte sie dann wecken und mit ihr schnell zur Toilette gehen oder auch einen von uns Eltern holen, um ihr zu helfen.

Beim Schlafengehen  an diesem Abend wurde Nili noch einmal ordentlich in seine Aufgabe eingeführt. Er setzte sich neben das Kopfkissen und ich schärfte ihm ein, auf jeden Fall die ganze Nacht die Augen offen zuhalten und gut auf mein Kind aufzupassen. Nili versicherte, das sei sein Job. Deshalb sei er ja schließlich da.
Jenny lächelte ihn an und war schon eingeschlafen, als wir noch miteinander verhandelten. Und sie schlief durch und das Bett blieb trocken. Am Morgen wurde Nili von Jenny und mir sehr gelobt. Und jeden Abend wurde ihm seine Aufgabe neu eingeschärft.
Das ging so noch etwa 14 Tage. Meine Tochter machte nicht ein einziges Mal mehr ins Bett. Sie wurde zusehends fröhlicher und übernahm die abendliche Instruktion ihres kleinen grünen Wächters bald selber.

Irgendwann wanderte Nili von seiner Kopfkissenseite in die Arme der schlafenden Jenny. Der Kuschel-Wächter hatte seine Aufgabe erfüllt.

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Fragebogenergebnisse IV


Die Bedeutung des Lieblingskuscheltieressuppenklein.jpg

Was ist ein Kuscheltier in den Augen der verschiedenen Gruppen? Welche Bedeutung hat es? Welche Rolle spielt es? Welche Funktion wird ihm zugeschrieben?

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Grafik 4: (Prozentwerte der jeweiligen Gruppenmitglieder)
Bedeutung der Kuscheltiere für die verschiedenen Gruppen

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  • Eltern betonen die Trösterfunktion vor allem anderen.
  • Kinder und Jugendliche sehen im Lieblingskuscheltier vor allem einen Freund. Und mehr als in den anderen Gruppen wird als wichtigangesehen, dass das Lieblingskuscheltier “einen mag”. Auch die Beschützerfunktion wird von den Minderjährigen  mehr genannt als in den anderen Gruppen.
  • Die Ehemaligen betonen die starke emotionalen Bedeutung der Kuscheltiere für sich, ähnlich wie die Kinder selber: Die Funktion Freund und „es mag mich“ werden ähnlich oft genannt. Betont werden von den Ehemaligen die Tröster- und Beschützerfunktion. Auch de Kategorie „mein Ein und Alles“ ist hier am stärksten vertreten. Mehr als bei den beiden anderen Gruppen wird zudem auch angekreuzt, dass das Lieblingskuscheltier ein Gesprächspartner war. Die  Rolle des Lieblingskuscheltiers als Baby wird von dieser Gruppe ebenfalls öfter als bei den anderen genannt.
  • Für die Jugendlichen und Kinder war das Kuscheltier in keinem Fall „ein Spielzeug unter anderen“. Für Eltern und die Ehemaligen gibt es diese Alternative, wenn auch nur als untergeordnete Kategorie.


 

Dem Lieblingskuscheltier wird insgesamt eine große emotionale und beziehungsrelevante Bedeutung zugesprochen:

Alle drei Gruppen gehen von einer Beziehung zwischen Kind und Lieblingskuscheltier aus, zum einen von einer funktionalen Beziehungsebene (trösten und beschützen), zum zweiten aber auch von einer emotionalen gegenseitigen Beziehung, die sich in den Kategorien „Freund“ und „Mögen“ ausdrückt. Ganz offensichtlich erleben Kinder und Eltern das Kind-Lieblingskuscheltier-Verhältnis als eine persönliche, ggf. auch gegenseitige Sympathie- und Liebesbeziehung.

Andere Funktionen, die mit normalem Spiel, mit Besitz, Sammeln u.ä. zu tun haben spielen auch aus der Sicht der Erwachsenen und Eltern nur eine äußerst marginale Rolle. Für die Minderjährigen sind sie geradezu tabu.

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Kuscheltiere im Dienst

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Auch bei Haustieren gibt es solche, die einfach nur dazu da sind, um ihre Menschen zu erfreuen und solche die im Dienst sind oder wichtige Aufgaben erfüllen. Katzen machen so was ja nebenbei und zu ihrem eigenen Vergnügen (das Mäuse fangen), bei Hunden habe ich immer den Eindruck, dass diensthabende Wachhunde oder Suchhunde eine Nummer zu ernst und zu Pflicht bewusst sind.
Auch Kuscheltiere haben manchmal Aufgaben, die nicht unbedingt ihrem Naturell entsprechen. Z. B. als Kopfkissen. Weil ich eine Zeit lang ihren dicken Timmel als Kopfkissen genutzt habe, war mir meine Tochter lange böse.

Aber auch Kuscheltiere  haben manchmal  offiziell “Dienst”: als Wärmeflaschen, Schlüsselanhänger, Pantoffeln. Manche landen davon in der Klinik für missbrauchte Kuscheltiere, ich weiß.
Ich hoffe, dass mein Microfaser-PC-Hund mit seiner Aufgabe zufrieden ist und keiner Kuscheltier-Psychotherapie bedarf. Allerdings muss ich zugeben, er hat nicht einmal einen richtigen Namen. Ich werde mir einen besonders schönen ausdenken, damit er sieht, dass ich auch ihn in mein Herz geschlossen habe.  Wie wäre es mit “Putzi”? Nein, das ist zu trivial und zu durchsichtig. Lieber “Netti” (von Internet), das könnte gut gehen.

Fragebogenergebnisse III


Die wichtigsten Eigenschaften der liebsten Kuscheltiere 

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Was ist wichtig am Kuscheltier? Was macht einen Liebling zum Liebling?

 

Grafik 3: (Prozentwerte der jeweiligen Gruppenmitglieder) Die wichtigsten Eigenschaften von Lieblingskuscheltieren

E = Eltern, K = Kinder und Jugendliche, e.K. = ehemalige Kinder, Er = Erwachsene

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Weich und kuschelig sollten sie sein, darin sind sich alle Guppen einig.

(Die heutigen weichen Kuscheltiere kommen diesem Bedürfnis deutlich entgegen. Die alten, harten Teddybären hätten hier wohl weniger Chancen. )

Die wichtige Persönlichkeit des Lieblingskuscheltiers wird von der Gruppe der Minderjährigen und ehemaligen Minderjährigen am stärksten betont. Ebenso legen die Minderjährigen besonderen Wert auf die Handlichkeit ihres Kuscheltieres.

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Seriöses Forschungsthema?

Aus aktuellem Anlass:

Ich weiß, das fragt sich so manche und so mancher, der dieses Blog liest oder mein Forschungsprojekt kennt.

Aber wie kann etwas kein seriöser Forschungsgegenstand sein, das den Alltag von Kinder dermaßen prägt? Und warum sollte man nicht auch über etwas forschen können, das zum Schmunzeln einlädt (s. u.)?

Und wer an der Bedeutung der Kuscheltiere in der sozialen Praxis zweifelt, kann sich hier informieren:

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oder hier und auch hier

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