Patricks Affe

kleine Kuscheltiergeschichte aus unseren Elterninterviews
Folge XVII

Patrick hat sich schon immer einen Affen gewünscht. Er hat eine ganze Reihe Kuscheltiere durch seinen Vorschulalltag geschleppt und in seinem Bett beherbergt. Aber einen Affen hatte er noch nicht. Den hatte er mal in einem Schaufenster gesehen und sich auf der Stelle in ihn verliebt. Aber er war den Eltern zu teuer.

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Dann kam der Tag der Einschulung. Die Kinder saßen aufgereiht in der Turnhalle ihrer neuen Schule. Die Rektorin stand vor ihnen und begrüßte sie, stellt ihnen ihre  Lehrerinnen vor und versucht alles, den Kindern diesen Tag feierlich und schön zu gestalten. Die Eltern hockten ein wenig abseits auf den kleinen Kinderstühlen und beobachteten voller Stolz und Neugier den wichtigen Schritt ihrer  Sprösslinge ins Schulleben. An der Wand aufgereiht standen lauter Zuckertüten, eine größer als die anderen, bunt, geschmückt mit allerlei Süßigkeiten und kleinen Kuscheltieren behängt und bestückt. Und die Augen der Kinder wanderten gespannt und aufgeregt von der Rektorin immer wieder zu den Zuckertüten. Welche war wohl ihre?
Patricks Mutter bemerkte, dass ihr Sohn die Galerie der Zuckertüten genau studierte und plötzlich sein Gesicht zu strahlen anfing.  Er hatte auf einer der Zuckertüten den Affen entdeckt und es gab für ihn gar keinen Zweifel: das musste seine Zuckertüte sein.
Als es ans Verteilen ging, blieb er ganz ruhig auf seinem Stuhl sitzen, bis die Rektorin „seine Tüte“ hochhob und bevor sie seinen Namen nennen konnte, war er bei ihr und nahm die Tüte in den Arm und küsste seinen Affen. „Aber woher weißt du denn, dass das deine Tüte ist“, fragte die Rektorin etwas irritiert und warf einen kleinen tadelnden Blick zu der Gruppe der wartenden Eltern, „Das sollte aber doch geheim bleiben.“ „Das seh ich dem Affen an, der will  zu mir!“, sagte Patrick und so war es ja wohl auch.

Die Mutter ist heute noch stolz, dass sie ihrem Sohn so eine Freude hatte machen können und es so genau getroffen hatte.
Affe ist seit 3 Jahren der Freund, Begleiter und Berater ihres Sohnes und manchmal, wenn er auf dem Bett von Patrick sitzt und wartet, bis der von der Schule kommt,  streichelt sie ihm übers Fell und sagt zu ihm: „Das haben wir beide gut gemacht damals, nicht wahr?“

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