Warum sind Kuscheltiere eigentlich (meistens) Tiere?

Der jüngst hier vorgestellte König ist zweifellos eher eine Puppe, also die Abbildung einer menschlichen Gestalt. Er ist anschmiegsam und kuschelig und erfüllt somit dennoch alle Kriterien eines „Kuscheltieres“. Im Unterschied zum hartgestopften klassischen Teddy und zur klassischen Puppe ist er knuddelfähig, weich und seine Oberfläche fühlt sich an wie Fell.

Dennoch: Die meisten „Kuscheltiere“ sind  Abbildungen von echten Tieren: in der Mehrzahl sind es die klassischen Haustiere. Aber auch alle Tiere, denen man im Zoo begegnen kann, gibt es als Kuscheltiere – bis hin zu Insekten und Vögeln.

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Paul mit Ele

Das heißt: nicht unbedingt die Menschenähnlichkeit ist typisch für das heute übliche „Kuscheltier“ sondern die Tierähnlichkeit. Was bedeutet das?
Ist das vielleicht in Hinweis darauf, dass in unserer Gesellschaft Kinder z.B. zu wenig Kontakte und Erfahrungen mit echten Tieren machen können?
Oder muss das als eine Art Verarmung des kindlichen Spielens gesehen werden?
Es gibt m. E. gute Gründe, warum das Kuscheltier  meistens tatsächlich ein Tier ist.

1. Beobachtung:
Die Beziehung zwischen Mensch und Tier weist einige Besonderheiten auf, die es so in der zwischenmenschenlichen Kommunikation nicht gibt. Und gerade die sind attraktiv, für Kinder und auch für Erwachsene. Sie spielen bei der Rolle der KuschelTIERE für uns eine große Rolle.

  • Ein Tier reagiert ehrlich und ganz direkt auf den Menschen. Es orientiert sich nicht am sozial erwünschten Verhalten, es orientiert sich auch nicht an Normen. Es bewertet seine Menschen nicht.  Es ist authentisch. Es achtet weder auf die Kleidung, noch auf die Sprache, das Benehmen oder gute Noten. Es akzeptiert und liebt einen Menschen ganz so, wie er ist. Während ein Kind sich z.B. von anderen beurteilt sieht und vielleicht Ablehnung erfährt aufgrund bestimmter Verhaltensweisen oder Eigenschaften, von seinem Tier wird es bedingungslos geliebt.
  • Ein Tier ist ein Wesen, vor dem man sich nicht verstellen kann aber auch nicht verstellen muss. Ein Tier freut sich über seinen Menschen oder aber es zeigt offen, dass es dessen Verhalten nicht akzeptiert. Es hilft Menschen, selber authentisch, selber sie selber zu sein und sein zu dürfen, es hilft ihnen, ihre Gefühle und ihr Verhalten nicht zu unterdrücken.
  • Der Umgang mit Menschen ist vielleicht ab und an tiefer und wichtiger, aber er ist auch oft ambivalent und macht Angst. Tiere bleiben immer zuverlässig, sie sind treu in ihrer Zuneigung, sie sind da, wenn man sie braucht. Sie lassen Menschen nicht von sich aus allein. Sie bieten sicheren Schutz, sichere Zuneigung und Geborgenheit.
  • Das Tier hat immer Zeit. Es hört zu, es interessiert sich für seinen Menschen und damit für alles, was er ihm erzählt. Und es bewahrt alle Geheimnisse für sich. Wenn sein Mensch traurig ist, spürt es diese Traurigkeit und versucht zu trösten, wenn der Mensch sich freut, dann freut das Tier sich mit ihm.

Diese tierischen Eigenschaften und diese Besonderheiten der Tier-Mensch- und vielleicht auch ganz besonders der Tier-Kind-Beziehung  werden auf das KuschelTIER übertragen. Das Kind kann seinem Kuscheltier bedingungslos vertrauen, muss keine Angst haben, dass es im Stich gelassen, verletzt oder ausgelacht wird. Das Kind muss keine Angst haben, dass sein Spielkamerad es ablehnt, weil es vielleicht kleiner ist als andere Kinder oder schwächer, schüchterner oder weniger fix.

Das KuscheTIERE eignet sich daher zum echten Freund, zum strapazierfähigen Kumpel. Die Eigenschafte und Verhaltensweisen von Tieren werden beim Kuscheltier unterstellt und erlebt. Mit ihm sind viele Dinge möglich, die mit einer Puppe nicht denkbar sind.

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