Archiv der Kategorie: Geschichten

größere und kleine Erzählungen zum Thema Kuscheltiere

Grusche, die kleine Bärin

grusche.jpg

Grusche die 2. , die erste sah genau so aus…

Es gab es  in unserer Familie  ein selbstgemachtes Bilderbuch, das die Geschichte eines kleinen Bärenmädchens erzählte, das auf der Suche nach einer Freundin durch die  Wälder streift und dabei so seine traurigen und glücklichen Erfahrungen macht. Dieses Bärenmädchen hieß Grusche. Ob wir damals schon vor hatten, unsere kleine Tochter so zu nennen, kann ich gar nicht sagen, aber vermutlich war es so. Der Name hatte uns gefallen. Er stammt aus dem Kaukasischen Kreidekreis von Brecht aber in irgendeinem Namensbuch fand ich auch „Grusche, plattdeutsch Grete“ und dachte, dann kann man es ja wohl wagen, ein Kind so zu nennen.
Grusche war aber zunächst ein Bär, erst der im oben erwähnten Bilderbuch, dann gab es da einen kleinen Bären, den meine Älteste in Anlehnung an dieses Buch bekam und sehr ins Herz schloss. Es gab genauer gesagt sogar zwei davon: den, den Hanna in der Stadtbibliothek verloren hat und den, der danach angeschafft werden musste, um die Lücke zu schließen, die in ihrem Kinderherz entstanden war.

Und dann kam die Jüngste zur Welt und mein Stiefsohn wollte wissen, wie wir sie denn nun nennen würden. Als ich „Grusche“ sagte, sah er mich schief an und meinte dann nur: „Ich dachte, das ist ein Bärenname.“

Die Geschichte von dem blauen Elefant

 

kleine Kuscheltiergeschichten aus unseren Elterninterviews:
Folge XVI

Als der blaue Elefant in die Familie kam, wurde er erst einmal abgelehnt. Der 4jährige  Mark, für den er zu Weihnachten bestimmt war, fing an zu weinen, als er ihn ausgepackt hatte. Er hatte Angst vor dem blauen Elefant. Der lag dann ein paar Wochen irgendwo in der hintersten Ecke des Kinderzimmers. Doch eines Tages tauchte Mark im Wohnzimmer auf, den blauen Elefanten wie selbstverständlich im Arm. Und von diesem Tag an waren die beiden unzertrennlich. Der blaue Elefant musste bei Mark im Bett schlafen und er beschützt ihn vor bösen Träumen, Gespenstern und Krokodilen, die sich unter dem Bett verstecken könnten. Und er wurde geliebt wie kein Kuscheltier zuvor. Wie es zu dem Gefühlswandel gekommen war? Keiner weiß etwas. Nur der blaue Elefant Eli. Aber der verrät es nicht.
Die Eltern haben längst einen Reserve-Elefanten gekauft, der Eli täuschend ähnlich sieht, für den Fall des Falles. Man kann ja nie wissen.

Umzugsschreck

kleine Kuscheltiergeschichte aus unseren Elterninterviews
Folge XV:

Sabine war mit ihren Eltern und den zwei Schwestern mit einem riesigen Umzugsauto voller Möbel und Kisten von Köln nach Erfurt gezogen. Eine weite Strecke war das gewesen. In Erfurt angekommen, wurden den ganzen Tag die Kisten in das Haus geschleppt, in dem sie nun wohnen würden. Alles stand voll und niemand blickte noch so richtig durch. Am Abend fielen alle erschöpft ins Bett. Sabine vermisste ihren Fuchs Reini.

reini2.jpg

.

Eigentlich hatte sie ihn wie immer im Arm mit auf die Reise nehmen wollen. Aber irgendeiner der Umzugsmänner hatte Reini in der schon fast leeren Wohnung sitzen sehen und schnell in eine Kiste gepackt. So zumindest, hatte er es Sabine erzählt. In welcher Kiste Reini nun steckte, das wusste keiner.

Es fiel Sabine schwer an diesem Abend, ohne ihren Reini einzuschlafen. Vor ihr lang ein ganz neues, fremdes Leben. Neue Kinder, eine neue Klasse in einer fremden Schule. Ihre Freundinnen waren alle zurückgeblieben. Das würde bestimmt erst mal eine schwere Zeit. Gut, dass sie ihren Reini hatte. Der musste diese Nacht auch alleine sein, hoffentlich lag er bequem in der Kiste, in die er gekommen war…

Am nächsten Tag wurde ausgepackt. Aber Reini tauchte nicht auf. Am Abend waren schon gut die Hälfte der Kisten leer und Sabine wurde immer unruhiger. Am nächsten Abend, als die letzte Kiste geöffnet und ausgepackt wurde und Reini auch da nicht auftauchte, brach sie in verzweifelte Tränen aus. Die Eltern konnten sie kaum beruhigen. Sabine fühlte sich so alleine und sie machte sich große Sorgen um ihren Fuchs. Vielleicht war der aus dem Möbelwagen gefallen und von Autos überfahren worden. Vielleicht hatte der Möbelpacker den Fuchs gar nicht wirklich eingepackt und er hatte das nur gesagt, um sie zu beruhigen?
Die Eltern machten sich am nächsten Tag auf, um einen ähnlichen Fuchs zu finden, aber Sabine fand den neuen nicht schön und weinte nur noch mehr. Alles fiel ihr schwer und der ganze Umzug kam ihr jetzt schrecklich vor.
Am Freitag früh richtete die Mutter das Badezimmer fertig ein und packte die alte Reisetasche aus, in der sie alle Badezimmersachen verstaut hatte, die noch herumgestanden hatten. Sie staunte nicht schlecht, als sie Reini fand.
Als Sabine schlecht gelaunt und  traurig aus der Schule nach Hause kam, lies sich ihre Mutter nichts anmerken. Sabine ging in ihr Zimmer und wollte gerade lustlos ihre Schultasche auf das Bett schleudern, da saß da ihr Reini, als sei nichts geschehen.
Ab da konnte Sabine sich auf all das Neue und Ungewohnte einlassen. Jetzt war sie nicht mehr alleine und mit Reini, der zu Hause auf sie wartete, war auch die neue Schule gar nicht mehr so schlimm.

Kuscheltier an Bord?

Geschichte aus unseren Elterninterviews Folge XIV

 Henrik und Klaus sind Zwillinge. Und ihre Kuscheltiere sind es auch. Zumindest zweieiige…

Die beiden Jungen sind 10 Jahre alt, aber die Liebe zu ihren Lieblingskuscheltieren hat seit ihrem 6. Lebensjahr nicht abgenommen. Damals bekamen sie Froggi und  Schnecki zum Geburtstag geschenkt und seit dem sind die beiden ihre Lieblingskuscheltiere. Die beiden Plüschleute sehen sich irgendwie ähnlich und sind so klein, dass sie ganz in die Hand passen und genauso gut in die Hosentasche..

Das ist sehr praktisch, denn Froggi und Schnecki müssen immer dabei sein. Egal ob die beiden zur Schule gehen, ob sie draußen mit Freunden verabredet sind, ob sie ins Kino gehen oder Schlittenfahren – die beiden stecken immer fest in der Hosentasche und sind bei allem mit von der Partie.

Wenn Klaus und Jens sich anziehen um die Wohnung zu verlassen, fragt jeder den anderen: „Hast du Schnecki?, oder „Hast du Froggi?“
Und zwischen durch, in ruhigeren Minuten, im Schulbus oder an der Haltestelle, in der Pause oder wenn einer sich beim Schlittenfahren weh getan hat – dann dürfen die beiden Kuscheltiere auch mal ans Licht und werden zärtlich gedrückt oder über die Wange gerieben.
Andere Kinder bekommen sie kaum zu Gesicht, aber alle wissen, dass es sie gibt. Und sollte Froggi mal aus der Tasche von Klaus hüpfen oder Schnecki aus Versehen im Umkleideraum zur Sporthalle liegen bleiben, die anderen Kinder würden sich ihrer respektvoll und liebevoll annehmen. Denn Klaus und  Hendrik sind beliebt bei ihren Freunden und ihre Lieblinge werden von allen hoch geachtet.

ernste Unterhaltung mit einem Kuscheltier

Geschichten aus unseren Elterninterviews Folge XIII

miriam.JPG

Isabell hat Streit mit ihrer Mutter gehabt.  Isabell hatte versucht ihrer Mutter die daneben gegangene Klassenarbeit zu verheimlichen. Aber die hatte etwas geahnt und unbedingt das Heft sehen wollen. Und dann kam die Standpauke. Natürlich wäre das nicht passiert, wenn sie mehr geübt hätte. Dabei waren die neuen Matheaufgaben eigentlich nicht einmal schwer. Aber sie hatte halt was anders zu tun letzten Donnerstag. Und als dann die Hefte ausgeteilt wurden und die Lehrerin sagte: „Wir schreiben heute eine Klassenarbeit,“ hatte sie gleich gewusst, dass das jetzt voll ins Auge gehen würde.
Ihre Mutter konnte mit Isabells Entschuldigung nichts anfangen und wurde ärgerlich. So ginge das nicht, sagte sie.
Nun ärgerte sich Isabell  ja schon selber und deshalb wurde sie noch ärgerlicher, als jetzt auch noch ihre Mutter auf der Sache herumhackte. Und sie knallte mit den Türen und verschanzte sich in ihrem Zimmer.  Und da blieb sie den ganzen Nachmittag und weinte vor sich hin. Nach ein paar Stunden klopfte ihre Mutter an die Tür, aber Isabell war immer noch sauer und schickte ihre Mutter eingeschnappt weg. Und die sagte nur: „Gut, wenn du noch immer so stinkig bist, dann bleibst du am besten für den Rest des Tages in deinem Zimmer!“ Und ging weg.

Nun war Isabell erst richtig verzweifelt. Heute Abend war ein Film im Fernsehen, den sie unbedingt hatte sehen wollen. Wenn Mama sie nun wieder wegschicken würde! Und außerdem war es gemein, dass alle mit ihr böse waren und keiner sie tröstete. Als wäre sie glücklich über die blöde Mathearbeit! Isabell griff sich ihr altes Kuscheltier, den Teddy Knautsch, der noch immer auf ihrem Bett saß und dem sie jeden Abend gute Nacht sagte, bevor sie einschlief. Jetzt nahm sie ihn in den Arm wie in alten Zeiten. Er sah sie noch genauso vertraut und lieb an, wie er es immer getan hatte. Und Isabell fühlte sich gleich ein  bisschen wohler.

Inzwischen war der Vater nach Hause gekommen und die Mutter hatte ihm von der Lage erzählt. Leise schlich der sich zur Zimmertür von Isabell und wollte gerade anklopfen, um seine Tochter ein wenig zu trösten, als er hörte,wie sie schluchzte und dabei mit jemandem sprach. Er zögerte und blieb ganz still stehen.

„Weißt du, Knautsch, die verstehen mich einfach nicht, Mama nicht und Papa bestimmt auch nicht. Ich bin so wütend wegen der Arbeit und dann schimpfen sie noch mit mir.  Manchmal komme ich mir hier sowieso vor wie bei fremden Leuten, weißt du? Nur du bist wirklich auf meiner Seite, mein alter Knautsch. Du hält’s immer noch zu mir, obwohl ich schon so groß geworden bin und alle nur meinen, dass ich endlich vernünftig zu sein habe. Ich will aber gar nicht vernünftig sein, weißt du? Ich will gar nicht groß werden.  Diese blöde Schule geht mir sowieso auf den Geist. Und überhaupt, warum darf ich eigentlich nicht so lange aufbleiben wie Marcel? Der ist auch nur ein Jahr älter als ich. Auf der einen Seite soll ich vernünftig sein und auf der anderen Seite bin ich noch für alles zu klein. Sie wissen einfach nicht, was sie wollen. Bei dir kann ich so sein, wie ich bin, Knautsch. Gut dass es dich gibt. “
Es folgte ein lautes Schnauben, Isabell putzte sich die Nase, die sicher vom Weinen schon ganz rot geworden war. Der Vater nutze das laute Geräusch, um schnell von der Tür zu verschwinden.
Eine halbe Stunde später klopfte er fröhlich an Isabells Zimmertür und fragte: „Hallo Schätzchen, jetzt kommt gleich der Film, den du doch sehen wolltest. Komm, ich glaube das wird dir ganz gut tun nach allem, was du heute hast durchmachen müssen.“
Einen Moment war es still, dann kam seine Tochter heraus und wischte sich übers Gesicht. „Danke, Papa“, sagte sie und schlüpfte an ihm vorbei Richtung Sofa. Knautsch hatte sie dabei.

So fing es an

Geschichte aus meinen Elterninterviews Folge XII

Katrin hatte ihn schon zur Geburt geschenkt bekommen. Seit dem lag er in ihrem Bettchen oder im Kinderwagen und gehörte sozusagen dazu. Katrin nuckelte an ihm herum und lernte an ihm greifen. Wenn sie schlief, berührte manchmal ihre Hand sein Fell.

Aber sonst schien sie sich nicht viel aus ihm zu machen.

.

.kuscheltiere0039.jpg

Als Katrin zwei Jahre alt war, wurde sie zusammen mit ihrer Mutter zur Geburtstagsfeier bei einem Kind eingeladen, das sie nur flüchtig kannte. Die Mütter waren befreundet und Katrins Mutter fühlte sich bei ihrer Freundin wie zu Hause. So merkte sie nicht sofort, wie unwohl sich ihre Tochter unter den für sie fremden Leuten, den vielen Kindern und in der ungewohnten Umgebung fühlte. Sie klammerte sich an ihre Mutter, spielte nicht mit den anderen Kindern und wenn sie von einem Kind angesprochen wurde, sah sie weg und es kullerten ihre Tränen.

Dann kam ein Clown  zur Tür herein, der Papa des Geburtstagskindes, und  die anderen Kinder lachten sich halb tot über seine Witze. Katrin lachte nicht mit. Und plötzlich fing sie laut an zu schreien. Sie saß neben ihrer Mutter auf dem Fußboden und brüllte und nichts und niemand konnte sie wieder beruhigen. Die Mutter dachte schon daran, mit Katrin einfach wieder nach Hause zu gehen. Als sie ihre Handtasche zumachen wollte, fiel ihr Blick auf das Kuscheltier, das sie mitgenommen hatte, weil die Kinder vielleicht hier ein wenig schlafen sollten. Sie nahm es heraus und zeigte es Katrin, ein Versuch, von dem sie sich eigentlich nichts versprach.

Aber sie wunderte sich nicht schlecht, als Katrin nach dem kleinen Braunbären griff wie eine Ertrinkende.  Sie seufzte tief und drückte den bisher  kaum beachteten Bären heftig an sich, überschüttete ihn mit Küssen und weinte sein Fell nass. Aber je länger sie weinte, desto besser schien es ihr wieder zu gehen. Schließlich saß sie ganz ruhig und zufrieden neben ihrer Mutter, schaute den anderen Kindern zu und ihre Finger streichelten unablässig über das Fell ihres neuen Freundes.

Seit diesem Tag sind Katrin und Braunchen unzertrennlich.

Geburtstagsfeier bei Kuschels

chico3995_0.jpg

Geschichte aus unseren Elterninterviews Folge XI

Markus hat gerne Geburtstag. Und seine Kuscheltiere auch. Deshalb veranstaltet Markus jedesmal ein richtiges Fest, wenn eins seiner Kuscheltiere ein Jahr älter wird. Und da er ungefähr 10 Kuschels zu seiner engeren Kuscheltierfamilie zählt, gibt es fast jeden Monat so ein Fest.
So genau weiß niemand in der Familie, woher Markus die Geburtstage seiner Kuscheltiere kennt. Aber er kennt sie eben. Und er weiß auch immer, was sie sich wünschen. Das letzte Mal hat er seinem Nilpferd  ein grünes Taschentuch geschenkt, das es benutzen kann, wenn es sich nach dem Baden abtrocknen will. Dem Hasen hat Markus eine große Möhre aus Pappmaché gebastelt und für seinen Teddy  hat er eine Brille aus Draht angefertigt, weil der so gerne mit ihm zusammen Bilderbücher anguckt.

Wenn in der Kuscheltierfamilie Feiern angesagt ist, wird ein Tisch gedeckt, so richtig mit Tischdecke. Und jedes Kuscheltier bekommt ein eigenes Trinkgefäß. Markus schenkt Limo aus. Es gibt dazu Plätzchen, die die Mama  stiften muss. Markus singt mit allen zusammen „Happy birthday“ und liest dem Geburtstagskind etwas vor, d. h. er tut so, als ob er lesen würde. Das lernt er erst nächstes Jahr in der Schule.
Seinen großen Bruder lässt er nicht mitfeiern, der ist schließlich kein Kuscheltier, aber der darf auf seinem Akkordeon was für das Geburtstagskind spielen.   Und ein Plätzchen bekommt er auch ab.

Das hält mein Lieblingskuscheltier nicht aus!

Geschichte aus unseren Elterninterviews Folge X

Das Lieblingskuscheltier von Max ist ein Mammut mit Namen Urviech.

mammut-600.jpg

.

Er und sein Mammut sind unzertrennlich. Es weiß alles über Max und Max weiß alles über sein Mammut. Und so weiß er auch, dass das Urviech zwar groß aussieht aber eine sehr empfindliche Seele hat.
Deshalb hat Max ein Ersatzlieblingskuscheltier, den Hasen Willi, genauer gesagt ein Trostkuscheltier für solche Situationen, die Max seinem Mammut nicht zumuten möchte.
Wenn Max z.B. zum Zahnarzt muss, dann hat sein Mammut  mehr Angst davor, dass es Max weh tuen wird, als er selber. Und das will einiges heißen, denn Max hat eine Menge Angst vor dem Zahnarzt.

Deshalb darf sein Lieblingskucheltier nicht dabei sein, wenn der Arzt zu bohren anfängt. Dafür ist dann der Hase Willi da und einsatzbereit. Ihn hält Max dann auf dem Schoß und bohrt seine Finger in Willis Fell und drückt ihn ganz fest, um die Schmerzen nicht so zu fühlen.

Wenn der Mund ausgespült und Jens wieder heil auf dem Fußboden gelandet ist, eilt er zu seiner Mutter, die etwas abseits vom Geschehen  mit Urviech  gewartet hat.

Und nun wird Urviech in die Arme genommen und nun wird erzählt und getröstet: Urviech tröstet Max und Max tröstet Urviech. Und die beiden sind froh, dass nun alles vorbei ist.
Willi steckt inzwischen in Mamas Tasche und darf wenigstens oben rausgucken. Denn irgendwie wichtig ist er ja wohl auch. „Na klar“, sagt Jens und kuschelt Willis Kopf.
Aber Urviech ist eben doch wichtiger.

blinde Passagiere

 Geschichte aus unseren Elterninterviews Folge IX

 wrong-knirpsi-fasschen.jpg

„Das Handgepäck ist sehr begrenzt“, erzählte die Mutter vor der großen Reise nach Thailand.  „Wir müssen bei allen Sachen überlegen, ob wir sie auch wirklich unbedingt brauchen!“
Die große Schwester stieß ihn an: „Das war jetzt speziell für dich. Hast du kapiert? Begrenzte Kuscheltiermitnahme!“ „Ich muss aber unbedingt vier mitnehmen“, legte Jens sofort los. „Also natürlich den kalten Esel, das ist sowieso klar. Dann aber auch noch Knirpsi, Mr. Wrong und seinen Freund Fässchen . Die drei machen doch immer alles zusammen!“  „Deine dicken Schweine kannst du nicht mitnehmen, die nehmen zuviel Platz weg,“ belehrte ihn die Schwester. „Aber meine drei großen Schweine waren noch nie mit auf Reisen. Sie sollen auch mal eine schöne Reise erleben können!“
Die Mutter sprach ein Machtwort, bevor es zum Streit kam. „Der kalte Esel kann natürlich mit und dann darfst du dir noch zwei kleine aussuchen, die mit dem Esel einfach so ins Handgepäck reinkönnen. Aber mehr ist nicht.“
Jens nickte zähneknirschend. wildschweinchen-und-kleine-ziege.jpg

Während des Fluges schlief er tief, den kalten Esel wie immer auf seinem Gesicht und in den Händen zwei  Neuzugänge, eine kleine Ziege und ein winziges Wildschwein mit einer rosa Perle im Ohr.

Als aber die Familie endlich im Hotel angekommen war und die Koffer auspacken konnte, kamen auch die drei großen  Schweine hervor. Knirpsi, Mr. Wrong und Fässchen hatten die Fahrt als blinde Passagiere mitgemacht.
Jens steckte die ärgerlichen Worte seiner Mutter mit Würde weg. Er freute sich dennoch: Schließlich hatten seine Freunde jetzt endlich auch einmal eine richtig große Reise erlebt.

Kuscheltierliebe

Geschichte aus unseren Elterninterviews Folge VIII

Er hatte unter dem Weihnachtsbaum gelegen. wolf1.jpgDas kleine Mädchen packte ihn entzückt aus und schloss ihn gleich in ihre Arme. Er hatte große Zähne und vielleicht hätten andere Kinder vor ihm sogar ein bisschen Angst gehabt.
Aber sie sah auf einen Blick, dass das ein ganz lieber Wolf sein musste. Wie weich sein Fell war! Sie streichelte ihm über den Rücken und befühlte die weichen Ohren. Sie wiegte ihn in ihren Armen hin und her wie ein Baby. Das war also jetzt ihr Wolf und sie wusste es gleich: sie würde ihn „Rotkäppchen“ nennen.
Es war, als hätte sie fast vergessen, dass heute Weihnachten war und außer dem neuen Kuscheltier noch andere Geschenke auf sie warteten. Die Mutter nahm ihr lächelnd das neue Wesen aus dem Arm und zeigte auf die anderen Pakete und Päckchen, die noch ungeöffnet unter dem Tannenbaum lagen. Die Geschwister hatten längst all ihre Sachen aus dem bunten Papier herausgeholt und breiteten ihre Geschenke auf dem Teppich aus.
Das kleine Mädchen machte sich also auch brav  ans Auspacken und sie fand wirklich noch einiges, über das sie sich sehr freute: die neue Schulmappe, das tolle Gesellschaftsspiel, die neue Barbie mit dem Frisiersalon, den Ring, den sie auf dem Weihnachtsmarkt so schön gefunden hatte … Sie legte  ihre Sachen auch auf dem Teppich aus und die Geschwister besichtigten untereinander ihre Schätze. Das neue Spiel wollten sie gleich ausprobieren.
Mitten im Spiel aber sprang das kleine Mädchen auf und lief zu Stelle im Wohnzimmer, wo die Mutter den Neuen hingelegt hatte. Sie schloss ihn innig in die Arme und drückte ihn lange. Dann gab sie ihm einen Kuss auf die große Nase und setzte ihn behutsam in eine Sofaecke.
„Komm schon, du bist dran“, sagte der Bruder und sie spielten weiter. Das Spiel war spannend und lustig. Man konnte darüber alles vergessen.
Doch das kleine Mädchen lief immer wieder zu ihrem neuen Rotkäppchen-Wolf, um ihn noch einmal und immer wieder zu drücken und in den Arm zu nehmen. Sie vergaß ihn nicht, den neuen Freund, der da an diesem Abend zu ihr gekommen war. Sie musste einfach schnell noch mal gucken gehen, wie es ihm ging und ob noch alles in Ordnung war.