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… und wenn das Kuscheltier kaputt ist?

schnauzi-klein.jpg  Die Geschichte von Schnauzi

Der Erste soll blau gewesen sein. Ich kenne ihn nur vom Hören-Sagen. Mein zweiter Teddy war gelb-braun, eben Teddy-farben und wie alle Teddys zu dieser Zeit mit Stroh gefüllt, das an den strapaziertesten Stellen schon durch den Stoff schimmerte und wie alle Teddys jener Zeit, die wirklich geliebt wurden, sehr bald schon mit platt gegriffenem zotteligem Fell. Ich erinnere mich noch an seinen dicken Kopf. Ich liebte ihn sehr.

Puppen, Plüschtiere und Teddybären wurden bei uns zu Hause nicht einfach ausrangiert, wenn sie kaputt waren. Dafür war bei uns der Osterhase zuständig. Wir setzten kaputte Bären und Puppen abends auf die Außenfensterbank der Toilette und dann holte sie nachts der Osterhase. Manchmal hat er sie dann über Nacht wieder heil gemacht und morgens saß die Puppe sauber, mit allen Armen und Beinen, manchmal auch neu eingekleidet auf der Fensterbank. Welche Freude!

Wenn aber nichts mehr zu machen war, blieben Puppe, Teddy oder Hund für immer auf der Osterhasenwiese. Dort war ewiger Frühling. In der Regel reichte dieser Trost und meist brachte der Osterhase auf dem bekannten Weg über die Fensterbank Ersatz.

Bei meinem Zweiten, dem Gelb-Brauen, war es anders. Da zerbrach mein Glaube an die Osterhasenwiese und an meine Mutter. Und die Wunde heilte nur schwer.

Meine Mutter versuchte schon seit langem, mich davon zu überzeugen, dass ich meinen Teddy dem Osterhasen vorstellen sollte. Das aber war mir zu riskant. Wahrscheinlich wusste ich um seinen schlechten hygienischen Zustand. Mir war das egal, aber auch Osterhasen ist nicht immer zu trauen. Außerdem ging es nicht, meinen Teddy auch nur für eine Nacht aus meinem Bett zu lassen. Ich lehnte kompromisslos ab. Wie lange es so hin und her ging, weiß ich nicht mehr. Eines Tages aber war mein Teddy fort. Und er kam auch am nächsten Tag nicht zurück. Ich war bestürzt. Meine Mutter versicherte, mein Teddy hätte selbst zum Osterhasen gewollt, er sei so alt und krank gewesen. Das konnte ich nicht glauben. Nein, das stimmte einfach nicht! Er hätte es mit gesagt. Er hatte vor mir keine Geheimnisse. Irgendjemand hatte uns mit Gewalt getrennt und meine Mutter log mich an.

Es folgte eine harte, eine Teddy lose Zeit. Es ging mir besser, nachdem ich eines Tages meine Mutter ins Wohnzimmer bestellte, weil ich mit ihr sprechen müsse. Ich eröffnete ihr, dass ich nun wisse, dass ich gar nicht ihr Kind wäre, denn sonst könne sie mich nicht so betrügen und mir meinen geliebten Teddy wegnehmen gegen unseren Willen.

Meine Mutter war entsetzt und hilflos und versprach auf der Stelle einen Neuen. Den sollte nicht der Osterhase bringen. Ich hätte ihn auch nicht angenommen. Den sollte ich mir als Geschenk zur Einschulung selber aussuchen, ganz höchst persönlich, und dort, wo Teddys normalerweise auf ihre Mütter und Väter warten, im Kaufhaus.

Diese Perspektive ließ mich den alten, geliebten allmählich vergessen. Aber nicht die Enttäuschung.

***

Im Herbst war ich endlich sechs geworden und sollte demnächst zu Ostern in die Schule kommen. Jetzt also durfte ich mir den neuen Teddy kaufen, das Wichtigste auf der Welt, auch für ein Schulkind!

Meine Mutter ging mit mir in das große, altmodische Kaufhaus mitten in der Stadt. Erwartungsvoll stieg ich an ihrer Hand die breiten, gewundenen Steintreppen hinauf bis in die Spielwarenabteilung. Wir ließen Ständer voller Kleider und dunkler Herrenanzüge, Plüschsessel, Teppiche, Lampen unter uns, schnupperten voller Genugtuung den unverwechselbaren Geruch von unverbrauchten, frisch ausgepackten, nach Fabrik und Sauberkeit duftenden Sachen.

Die Verkäuferin holte verschiedene Teddybären aus den Regalen und setzte sie vor mich auf den Verkaufstisch. Fachmännisch prüfte ich die Farbe, das Fell, den Blick, probierte aus, wie sie so im Arm lagen, prüfte die Stimmen. Ich sah sie mir alle an und sprach mit ihnen. Einer antwortete.

Er war silbrig grau, brummte mit tiefer Stimme, hatte dichtes weiches Fell auf einem festen, griffigen Körper. Seine Schnauze war besonders groß. Das eine Auge lachte und das andere Auge blickte ernst, fast traurig: Ein Teddy, dass einer das Herz hüpfte! Auf dem Rücken hatte er eine krumme Naht, das sah ein bisschen aus wie ein Buckel. „Das macht mir nichts“, sagte ich bestimmt. „Den nehme ich“. Andere wollte ich nicht mehr ansehen.

Die Verkäuferin füllte den Kassenzettel aus, gab meiner Mutter den Durchschlag, legte meinen Schnauzi in ein Körbchen und ging voraus zur Kasse im ersten Stock. Meine Mutter beugte sich mit verschwörerischer Miene zu mir herab. „Komm, erst gucken wir noch mal woanders,“ sagte sie leise, als die Verkäuferin sie nicht mehr hören konnte.

„Wieso denn, den will ich!“ ich war fassungslos. „Der kostet 6.50 DM und hat auch noch eine krumme Naht auf dem Rücken“, versuchte mich meine Mutter zu überzeugen. 6.50 DM war viel, das sah ich auch, aber mein neuer Teddy war das wert. „Aber er hat doch ein lachendes und ein weinendes Auge!“ sagte ich mit Nachdruck, bereit zu kämpfen, Tränen in den Augen.

 

Denn auf einmal konnte ich es sehen: Ladenschlusszeit, mein Teddy liegt noch immer an der Kasse, wartet, ist nicht abgeholt worden. „Er wartet doch schon auf mich“, flüsterte ich. Meine Stimme versagte vor Trauer und Ärger.

 

Meine Mutter wagte nicht mehr, zu widersprechen.

***

Teddys sind viel praktischer als Puppen, sie können alleine klettern und rennen und haben immer ihr Fell an. Teddys sind keine kleinen Kinder sondern Spielkameraden, Freunde und Kuschelbären und vor allem starke Beschützer mit Krallen und bösem Brummen – wenn es darauf ankommt.

Mein Teddy, der neue, der silbrig graue, weise, vielgeliebte Schnauzi, wurde von mir selten in Kleider gezwängt. Nur getauft mußte er werden, Dafür gab es in unserer Puppenkleidersammlung ein weiß-hellrosa Kinderkleidchen mit Puffärmeln, das den Puppen und auch Schnauzi viel zu groß war und weit über ihre Füße hinaus hing. Das war das Taufkleid. Alle unsere Puppen und auch Teddy mussten da durch. Er trug es mit Fassung und veränderte sein Wesen nicht danach.

Sein Wesen war meiner Seele entlehnt: Er lachte mit mir, weinte mit mir, bekam die Röteln, wenn ich sie hatte und hört im Halbdunkel stundenlang meinen lautlosen Erzählungen zu, wenn meine Schwester schon eingeschlafen war.

Er versprach, mich zu rächen und böse Kinder zu beißen, er glaubte an mich mit seinem tapferen, starken Bärenherzen, so sehr, wie ich es nie gewagt hätte, selber an mich zu glauben.

Er klagte nie, fügte sich immer in meine Launen. Nur manchmal kam leise, vorsichtige, ganz liebvolle Kritik aus seinen klugen Augen und er hatte immer recht dabei. Aber er lachte mich nie aus. Vor allem verstand er mich. Es war sein Hauptjob, mich zu verstehen und er machte es fantastisch. Ich träumte mir den Schneeweißchenprinzen, das alte Märchen vom als Bär verzauberten Geliebten der zugleich stark war und für andere gefährlich, für mich ein weiches und zärtliches Wesen, das sogar manchmal wie ein Kleinkind in meinen Armen lag und von mir gewiegt und gekuschelt werden wollte, nur so als ob. Ich brauchte keine Puppen. Das bisschen Mutter-Kind-Spielen erledigte mein Teddy noch so nebenbei mit.

Teddy war schließlich ganz von dieser Welt. Und wenn er außer dem Taufkleid keinerlei Kleidungsprobleme aufwarf und keinerlei Ansprüche an Mode und Aussehen stellte (immerhin wurde er oft gebürstet), hatte er seine Lieblingsspeisen: Lakritz-Suppe, Lakritz-Koteletts mit Lakritz-Salat und hinterher ein Lakritz-Eis….Ich bastelte ihm mehrfach eigene Betten aus großen Zigarrenkisten, bettete ihn liebevoll in geblümte Kissen (holte ihn vor dem Einschlafen aber doch noch schnell noch in meine Arme zurück) und er hatte sogar ein eigenes Töpfchen unter meinem Bett stehen. Es war aus Porzellan, eine große, ungewöhnlich flach geformte weiße, dickwandige Porzellantasse mit weißen Wülsten um den Sockel, die meine Mutter für nichts geeignet fand und die deshalb mir zufiel. Wenn Teddy darauf saß, musste ich ihn festhalten, sonst fiel er um. Aber das tat ich gerne.

Dies ist die Geschichte von meinem Teddy Schnauzi. Das ist heute schon über 50 Jahre her.

Frage an Eltern:

  • Dürfen Sie alte Kuscheltiere wegwerfen oder weggeben, auch wenn sie für ihr Kind nicht mehr das Lieblingskuscheltier sind?
  • Und was sagen die “betroffenen” (ehemaligen) Kuscheltierbesitzer dazu?

heute Start!

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Heute starte ich meinen neuen Blog , der sich ganz allein dem Thema KUSCHELTIER widmen wird.

Das ist kein Witz!

Das Thema Kuscheltiere ist ein ganz ernsthaftes, spannendes und wissenschaftlich bisher kaum bearbeitetes Gebiet.

Sich mit Kuscheltieren zu beschäftigen, direkt oder auch indirekt, macht den meisten Menschen Spaß. Deshalb ist dies ein Blog für alle Kuscheltier-Liebhaber und Liebhaberinnen, gleich welchen Alters.
Außerdem ist dies ein durchaus seriöses Thema, denn es geht dabei z. B. um frühkindliche Entwicklung und um die Rolle der Zärtlichkeit in unserer Gesellschaft.

Anlass für mich, diesen Blog zu starten:

  • meine Liebe zu Kuscheltieren.
    Schnauzi aus meiner Kindheit sitzt neben meinem Schreibtischund auf dem Dachboden habe ich sieben prall gefüllte blaue Säcke voll mit Kuscheltieren meiner drei Kinder stehen, die ich nicht wegschenken und nicht wegwerfen darf und die ihren Dornröschenschlaf einer neuen Kindergeneration entgegen träumen.

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  • meine Liebe zu Kuscheltieren.
    Schnauzi aus meiner Kindheit sitzt neben meinem Schreibtisch und auf dem Dachboden habe ich sieben prall gefüllte blaue Säcke voll mit Kuscheltieren meiner drei Kinderstehen, die ich nicht wegschenken und nicht wegwerfen darf und die ihren Dornröschenschlaf einer neuen Kindergeneration entgegen träumen.
  • mein Forschungsprojekt “Kuscheltiere”,
    bei dem ich die psychologische und soziologische Bedeutung der Kuscheltiere aufdecken möchte.
  • Neugier
    auf eure Erlebnisse und Erfahrungen mit Kuscheltieren
  • Hoffnung auf Anregungen, Fragen und Überlegungen
    Sicher können die Kuscheltier-Fans für mein Forschungsprojekt jede Menge Anregungen, Fragestellungen und Überlegungen beitragen.

Was könnt ihr hier in Zukunft finden?

  • interessante Ergebnisse und Hypothesen aus meiner Forschungsarbeit,
  • Geschichten über Kuscheltiere erzählen, die ich erlebt oder erfahren habe,
  • Fragen an euch zur Diskussion oder als kleine Fragebögen zum Mitmachen
  • Fotos von meinen liebsten Kuscheltieren

Wenn alles klappt, kann es hier einen richtigen Austausch geben über eines der wichtigsten Themen der Welt: das Kuscheltier.